„Echo-Ausatmung“

B.K.S Iyengar betont in der Astadala Yogamala Vol.2 (Seite 294) die Bedeutung der Ausatmung (recaka) für die Abschlussentspannung in Savasana (Yoga Journal – Savasana) am Ende einer Yogapraxis.

Das Ausatmen sollte tiefer als das Einatmen sein. Die Einatmung hat die Dauer wie die der normalen Atmung. Der Fluss des ausströmenden Atems ist in seiner Qualität weich und gleichmäßig und dauert länger als der Fluss des einströmenden Atems.

Die Ausatmung dient aus philosophischer Sicht der Entsagung unseres Egos und Alltagsbewusstseins, das sich in unseren alltäglichen Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen widerspiegelt. Iyengar spricht in diesem Zusammenhang von einer sehr feinen und zarten Ausatmung, die er „Echo-Ausatmung“ nennt. Diese kann nach einer gewissen Zeit von selbst eintreten. Sie hat den Effekt, dass das „Gehirn passiv wird“, so dass sich die „Sinne und Nerven in sich zurückziehen“. Dadurch, dass der Yogaübende sein Ego mit der Ausatmung abtritt, kann er „Reinheit in seinen Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen“ erfahren.

Die folgende Anleitung für die vertiefte Ausatmung soll uns helfen, einen tieferen Zugang zu Savasana zu finden. Bitte beachte aber die unten aufgeführten Hinweise.

Atemtechnik - Vertieftes, Ruhiges  Ausatmen

In Savasana ist Dein Brustkorb auf einem Kissen (Bolster) gestützt und eine Decke unter Deinem Kopf erhöht diesen leicht und stützt Deinen Nacken (siehe hierzu: Licht auf Pranayama – Abbildung 82). Zuvor hast Du je einen Gurt um die Mitte Deiner Schienbeine und die Mitte Deiner Oberschenkel gebunden, so dass Deine Beine gut zusammen gehalten werden. Die Gurte vermitteln ein Gefühl der Kompaktheit und haben bereits einen Einfluss auf den natürlichen Fluss unserer Atmung.

Deine Hände platzierst Du links und rechts auf dem mittleren Brustkorb (knapp unterhalb der Brust). Die Finger berühren sich dabei nicht, sondern nur das Brustbein. Schließlich hebe Dein Brustbein leicht an, indem Du die hinteren Rippen ein wenig zu den vorderen Rippen anhebst.

Spüre nun mit Deinen Händen die wellenförmigen Bewegungen am mittleren Brustkorb, die die normale Atmung in diesem Bereich verursacht. Erlaube es schließlich Deiner Einatmung, dass sie von alleine ihren Weg in Deine Hände findet. Das ist ein passiver, feiner Prozess, der etwas Zeit benötigt. Wichtig ist, dass hierzu keine Anstrengung von Deiner Seite aufgewendet wird.

Wenn Du diesen Rhythmus der normalen Ein- und Ausatmung schließlich wahrnehmen kannst, verweile noch ein wenig in diesem Zustand der stillen Beobachtung der Atembewegungen unter Deinen Händen. Atme ruhig und normal.

Für die verlängerte Ausatmung schließlich stelle Dir vor, dass (nachdem Du normal eingeatmet hast) der ausströmende Atem langsam, sanft, tief und ruhig, von Deinen Händen bis in Deine Fußsohlen strömt. Diese Form der verlängerten Ausatmung sollte max. zwei- oder dreimal länger als die normale Ausatmung dauern und sollte unter keinen Umständen anstrengend sein oder sogar zur Kurzatmigkeit führen. Die Bauchdecke bleibt dabei entspannt.

Nach der verlängerten Ausatmung atme wieder normal und spüre die Atembewegung bzw. den Atemrhythmus der normalen Ein-und Ausatmung in Deinen Händen. Schließlich kannst Du einen neuen Atemzyklus in der beschriebenen Art wiederholen.

Hinweis: Diese Anleitung ist vor allem für Yogaschüler gedacht, die meine regulären Stunden bzw. Workshops besuchen. Sie dient in erster Linie dem Rekapitulieren der Inhalte der Stunden und ist daher möglicherweise nur im Kontext der Stunde vollständig verständlich.

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